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Ultraleichtwandern - Wo fange ich am besten an?

Ultraleichtwandern - Wo fange ich am besten an?

Seit seiner Geburt hat der Mensch das Wandern in sich integriert und sucht ständig nach neuen Möglichkeiten. Gehen und Wandern sind eine lebensnotwendige Aufgabe geworden, der sich jeder von uns widmet – und das täglich. Beim Trekking ultraleicht oder auch anders gesagt Ultraleichtwandern handelt es sich um das Wandern mit sehr wenig Gepäck. Wenn es geht, das Minimum an Ausrüstung und Proviant. Denn mit einem vollen Rucksack über Hügeln, lange Wiesen und Tälern zu wandern, belastet oft den ganzen Körper. Wir werden müde und brauchen mehr Rast, um mit neuer Energie unser Ziel zu erreichen. Die Form und Art der Reduzierung von Gewicht macht Ultraleichtwandern zur eigenständigen Disziplin. Dafür wurden bereits Bezeichnungen wie ultraleicht Trekking, UL-Trekking, Super ultraleicht Trekking und weitere erfunden. Um eine Gewichtsreduzierung zu ermöglichen, werden spezielle Zelte, Rucksäcke und eine sehr leichte Trekking-Ausrüstung eingesetzt. Diese Ausrüstungsgegenstände sind oft aus dünnerem oder hochwertigerem Material und somit doch recht teuer. Fälschlicherweise wird oft angenommen, dass diese Materialien weniger Robust sind und schnell kaputtgehen. Dies konnte ich bisher jedoch nicht bestätigen.

Wer wunderschöne Landschaften, selten zu erreichende Naturwege und verborgene Wasserfälle besichtigen möchte, braucht neben gut trainierten Beinen und Ausdauer nicht selten sehr leichtes Gepäck für seine Wanderung. Trekking macht es möglich, neben dem normalen Leben in eine faszinierende Wildnis einzutauchen. Am Ende lassen sich die schönsten Momente mit einer Kamera festhalten. Ob allein, zu zweit oder in einer kleinen Gruppe, Trekking fördert den Minimalismus. Sich auf das Wesentliche während der Vorbereitung, der Reise und den Abschluss zu konzentrieren. Wer möchte dabei noch einen schweren Rucksack tragen? Wer eine schwere Ausrüstung von 20 kg mit sich trägt, darunter Kochgeschirr, Hosen, Hemden, einen großen Schlafsack und ein Zelt, um gegen alle erschwerten Wetterlagen bestens gewachsen zu sein, der wird sich auf Dauer selbst zum Hindernis. Mit Blick auf amerikanische Wildnis-Trails wird einem sofort klar, dass bei 3000 km am Stück jeder US-Leichttrekker kein Problem mit seinem Gewicht hat. Es scheint ihn nicht einmal zu stören, mit wenig Gepäck auf Trekking zu gehen. Im Gegenteil: Der Verzicht auf Gegenstände hat den Vorteil das Ihr schneller und weiter gehen könnt. Ebenso können weniger trainierte Personen auch angenehmer längere Touren meistern. Besonders bei Mehrtagestouren macht sich jedes Kilo von Tag zu Tag immer mehr bemerkbar.

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Was braucht man wirklich?

Die meisten Sachen kann man zu Hause lassen! Punkt. Man nehme eine Küchenwaage und wiege alles ab, was je nach Strecke belastend sein kann. Unterschiedliche Klamotten, Geschirr und Essensrationen können auf die anstehende Ultraleichtwanderung aufgeteilt werden. Je nach Wetterlage zieht man sich einen Überzieher über den gesamten Körper und Rucksack, um nicht im Regen durchnässt zu werden. Ideal sind dafür Regenponchos, die sich sogar als Zelt nutzen lassen. Ich persönlich nutze hier das Gatewood Cape von Six Moon Designs mit dem Serenity Net Tent schützt dies sogar vor nassem Untergrund und Krabbeltiere. Das ganze gerade mal weniger als 600 Gramm zusammen und Multi-Use Effekt und rundum Schütz wie bei einem Zelt. Alternativ habe ich auch des Öfteren den Sea to Summit Regenponcho verwenden. So auch auf meiner ersten Etappe vom Pfälzer Weinsteig. Dieser lässt sich zwar nicht als Zelt aufbauen, kann jedoch als Tarp dienen und bietet somit Schutz vor Regen und Wind sollte man mal von schlechtem Wetter überrascht werden.

Hier verweise ich gerne nochmal auf mein YouTube Video. Spoileralarm: Genau das passiert mir nämlich auf der Tour ;)

Bekleidung

Bei der Kleidung solltet Ihr immer nach dem Zwiebelprinzip arbeiten. Wenn möglich verzichtet auf lange und kurze Hosen und nehmt stattdessen Zip-Hosen mit. Eure Hosen müssen auch nicht zwangsläufig wasserdicht sein. In der Regel reicht es die Hosen zu imprägnieren, um den Regen abzuhalten, bis Ihr Euren Poncho angezogen habt oder einen Ort gefunden habt, um Euch unterzustellen. Zum imprägnieren kann ich den Wachs von Fjällraven * bestens empfehlen.

Als Kleidung nehme ich immer die Kleidung, mit welche ich am Körper trage. Im Herbst nehme ich eine Regenjacke mit da ich diese sowieso am Körper trage. Im Sommer eher ein Regenponcho, weil sich dieser klein im Rucksack verstauen lässt. Zusätzlich packe ich mir ein Wechseloberteil und wechsel Unterwäsche ein. Sollte ich doch aus irgendeinem Grund Nass werden kann ich auf trockene Kleidung zurückgreifen. Zumindest an den wichtigen Stellen. Nehmt auf keinen Fall zu viel Wechselwäsche mit, Kleidung ist schwer und Ihr könnt eure Sachen mit biologisch abbaubarer Seife auf der Tour auch waschen. Funktionsbekleidung trocknet schneller als Baumwolle und ist gerade in wärmeren Monaten schnell über Nacht getrocknet.

Profi-Tipp: Selbst die Seife könnt Ihr zu Hause lassen. Nutzt von Birken die Blätter diese enthalten Sapione was als Seife taugt. Legt einfach ein paar Birkenblätter ins Wasser, um die Stoffe freizusetzen. Damit könnt Ihr Euch sowie auch Eure Kleidung waschen.

Für die Nacht packe ich einen Buff oder einen Beanie ein, denn die meiste Körperwärme verliert man über den Kopf. Schaut mal in meinem Merchandising Store rein, da gibt es einen German Outdoors Beanie.

Schuhe

Wo Ihr viel Gewicht sparen könnt, sind Eure Schuhe. Braucht Ihr für einen gut erschlossenen Wanderweg oder Asphalt wirklich Knöchelhohe Wanderstiefel oder reichen hier auch ein paar Trailrunning Schuhe oder sogar Barfußschuhe aus? Wenn Ihr kaum Gewicht mit Euch tragt oder über unwegsames Gelände geht, braucht Ihr in der Regel auch keine schweren Schuhe. Es heißt das 100 mehr an den Füßen so schwer ist wie 1 Kilo auf dem Rücken. Oftmals trage ich auf meinen Wanderungen die Barfußschuhe Vapor Glove Barfußschuhe von Merrell * welche ich sogar im Alltag trage.

Der Rucksack

Der Rucksack sollte passend zu Eurer Tour sein. Nehmt auf keinen Fall einen zu großen Rucksack für Tages- oder kurze Mehrtages-Wanderungen mit, dies verleitet lediglich dazu mehr einzupacken als notwendig. Falls der Rucksack nicht reicht, überdenkt zuerst Euere Ausrüstung bevor Ihr Euch einen neuen Rucksack kauft. Braucht Ihr wirklich alles? Wo könnt Ihr was einsparen? Lieber den Rucksack etwas kleiner wählen und sich beschränken. Denkt dabei an die Dinge die wirklich Priorität haben. Meine Lagerfeuer App hilft Euch dabei das Volumen und das Gewicht von Eurem Rucksack im Auge zu behalten und Eure Ausrüstung zu optimieren.

  1. Wasserversorgung
  2. Schlafsack & Übernachtungsgegenstände wie Tarp / Zelt
  3. Feuer Möglichkeit
  4. Regenschutz und einfache Wechselkleidung
  5. Erste Hilfe Set

Dinge wie Kochsystem (und damit auch Brennstoff), Extra Proviant an Nahrung, Wechsel objektive für die Kamera, Survival Kit, Säge, Trekkingbeil, MP3 Player, extra Wolldecke, Powerbanks, Wechselschuhe fürs Camp, Alkohol (Wein, Bier etc.), Unterhaltung (E-Book, Kartenspiel), Kaffeemaschine, Zeltlampe sind nette Dinge welche Euren Aufenthalt angenehmer machen können. Oft braucht Ihr diese Gegenstände jedoch nicht wirklich.

Ich nutze am liebsten den OMM Classic 32 Rucksack, der ist mit seinem 520 Gramm und 32 Liter Fassungsvermögen mehr als ausreichend für eine Tour mit 1–2 Übernachtungen. Vorausgesetzt Ihr seit Ultraleicht unterwegs. Mehrere Übernachtungen benötigen in der Regel kaum mehr Platz im Rucksack als eine Übernachtung. Das einzige das variiert sind Eure Vorräte.

Wasser und Verpflegung

Plant die Tour so, damit Ihr Unterwegs Verpflegung findet. Ihr müsst schließlich nicht voll autark sein. Ein Wasserfilter darf meiner Meinung nicht fehlen, denn dieser ermöglicht Euch überall Wasser nachzufüllen und Ihr braucht weniger Wasser mit Euch zu tragen. Alternativ zum Wasserfilter könnt Ihr auch Wasser abkochen (sofern Ihr sowieso ein Kochset mitnehmt oder eine Feuerstelle habt) oder Micropur Forte Tabletten * einsetzt. Ich persönlich nutze gern den Katadyn BeFree Wasserfilter * (59 Gramm ohne Flasche) oder den Saywer Mini * (56 Gramm ohne Beutel).

Zelt / Unterkunft

Euer Unterschlupf sollte natürlich wasserdicht sein und im Idealfall Schutz vor Mücken und Insekten bieten. Ihr benötigt nicht immer ein Zelt, um dies zu erreichen. So sind viele Tarp-Tent Lösungen geräumiger als Ein-Personen-Zelte, wiegen weniger und bieten Euch auch einen Rundumschutz. Das Zelt gehört schwersten Gegenständen in Eurem Gepäck. Hier lohnt es sich besonders herauszufinden was Ihr wirklich benötigt. Seit Ihr in den Bergen unterwegs oder eher im Wald? Seit Ihr hauptsächlich in wärmeren Regionen auf Erkundungstour oder im Gebirge? Ein Zelt das Ultraleicht ist, sich für jedes Wetter und alle Temperaturen und Windstärken eignet, gibt es nicht. Plant die richtige Ausrüstung für Eure Reiseziel. Innerhalb von Deutschland (3-Jahreszeiten) nehme ich entweder eine Tarp-Tent Lösung oder greife auf das MSR Hubba NX * zurück.

Ein ausführliches Review zum MSR Hubba NX Zelt findet Ihr hier auf meinem Blog

Isomatte

Eine ultraleichte Luftmatratze würde ich einer Isomatte aus Evazote vorziehen. Achtet bei den Luftmatratzen aber auf den R-Wert. Es gibt extrem leichte Luftmatratzen mit 200 Gramm, diese bieten jedoch nur einen sehr geringen Schutz vor dem Auskühlen über den Boden.

Aktuell im Einsatz sind bei mir die Therm-A-Rest All Season sowie das Paria Recharge XL Insulated Sleeping Pad. Zu beachten gibt es bei Isomatten das diese einen ausreichenden R-Wert haben. Für nächtliche Temperaturen um die 10 Grad solltet Ihr eine Matte nehmen welche mindestens einen R-Wert von 3 hat. Unterhalb von dieser Temperatur dementsprechend mehr. Auf meiner Wintertour hatte ich eine Matte dabei mit einem R-Wert von 4.8. Ich bin ein Freund von Rechteckigen Matratzen. Bei ovalen Matratzen habe ich das Problem das meine Arme oder Beine oft von der Matratze rutschen und dadurch auf dem kalten Boden liegen.

Bei Isomatten gibt es Alternativen wie die ¾-Matten, bei denen ihr 25 Prozent spart, ohne Komforteinbuße. Beim Schlafen legt ihr euren Kopf auf ein Kissen (Jacke oder leeren Rucksack), den Körper auf die Matte und die Füße liegen wieder auf dem wasserdichten Zeltboden. Wer lieber ein Kopfkissen mag, sollte ein aufblasbares Kissen nehmen. Hier bietet sich das Marmot Strato Pillow an. Die 40 gramm Gewicht fallen im Gepäck nicht auf und erhöhen den Komfort massiv.

Schlafsäcke

Bei Schlafsäcken tendiere ich immer zu Daunenschlafsäcke. Wer das letzte bisschen Gewicht optimieren möchte, kann auch einen Daunen Quilt nehmen. Daunenschlafsäcke sind extrem gut komprimierbar, haben dadurch ein sehr kleines Packmaß und wärmen sehr gut. Nur nass sollten diese nicht werden. Aktuell habe ich den Cumulus Lite Line 200 für Sommer und warme Herbstnächte sowie den Cumulus Panyam 600 für kalte Nächte im Einsatz. Mit dem Panyam 600 war ich bereits im Winter draußen bei -14 Grad und habe die Nacht gut überstanden (Merino Unterwäsche, Fleece Jacke + Daunenwinterjacke).

Meiner Meinung solltet Ihr beim Schlafsack und Luftmatratze kein Geld sparen. Auch das Gewicht ist sekundär. Ohne Erholung in der Nacht wird schnell die Tour zur Qual. Lieber 100 Gramm mehr auf der Waage als schlecht zu schlafen.

Kochsystem

Je nach Jahreszeit kann hier für zwei Personen ein kleiner leistungsstarker Gaskocher und ein Topf mit 1,5 Liter Fassungsvermögen bei 200 Gramm Gewicht zum Einsatz kommen. Überlegt Euch, ob Ihr nicht “Stove-less” gehen wollt. Mit Nüssen und Trockenobst könnt Ihr auch ohne warmes Essen super Kalorien zu Euch führen. Ihr spart Euch nicht nur den Kocher und den Kochtopf, sondern auch den Brennstoff. Wer trotzdem einen Kocher mitnehmen mag, kann wie ich auch einen Titan Becher von Snow Peak * nutzen. Dieser reicht, um einen halben Liter Wasser zum Kochen zu bringen. Ich persönlich nutze zum Kochen in der Regel entweder den Toaks Spritus Kocher * in Kombination mit der Bushbox Ultralight *, oder ich verzichte komplett auf flüssige Brennstoffe und nutze den Solo-Stove *. Dieser ist zwar nicht gerade ultraleicht, jedoch extrem heiß und verbrennt sogar nasses Holz sehr gut. Gerade auf längeren Touren spart Ihr viel Brennstoff. Anfangs hatte ich einen großen Bogen um Spiritus Kocher gemacht, weil die Wärmeleistung wesentlich geringer ist als bei Gaskocher und gefährlicher sind Sie noch dazu (Verschütten von Spiritus). Bei kurzen Touren würde ich mittlerweile einen Spiritus Kocher einem Gaskocher immer vorziehen. Spiritus lässt sich sehr gut portionieren und für die Tour planen. Bei Gas muss ich immer die komplette Kartusche mitnehmen. Egal ob ich davon nur 5% oder 100% vom Brennstoff benötige. Wer doch lieber einen ultraleichten Gaskocher sucht, sollte sich mal den EOE Gaskocher * anschauen, denn kleiner und leichter ist nicht mehr machbar.

Fazit

Was passiert jetzt, wenn man auf sein Ausrüstungsgewicht achtet? Trekking ohne Mehranstrengung, was auch bedeutet, dass man weniger Lebensmittel und Wasser mitnehmen muss. Die Lebensvorräte werden weniger und das Gepäck zusätzlich leichter. So muss Wandern sein. Bevor ihr euch Ultraleichtwandern zur Selbstdisziplin macht, schaut Videos und lest euch in Artikeln ein. Zu wissen, welcher Rucksack und Bekleidung geeignete wäre, damit keine sonderliche Last entsteht, ist von Vorteil. Für den Anfang könnt ihr euch eine kleine Strecke aussuchen.

Ganz wichtig: Macht eure eigene Erfahrung und bildet euch eure eigene Meinung. Nicht für jeden ist Ultraleicht Trekking das richtige. Auch muss man nicht immer in Extremen denken. Findet euren persönlichen Kompromiss mit dem Ihr euch wohlfühlt.

Welche Erfahrungen mit Ultralight Trekking oder eurem Rucksack Gewicht habt Ihr gemacht? Schreibt es in die Kommentare was Ihr von all dem haltet.

Viel Spaß beim Trekking.

Euer Marco

Marco Griep

Marco Griep

Seit 2012 beschäftige ich mich leidenschaftlich mit den Themen Bushcraft, Wandern und seit neustem auch mit Bikepacking. Am liebsten verbringe ich mehrere Tage am Stück im Freien und nutze dabei Techniken die ich beim Bushcraften gelernt habe.

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